Allzeit bereit zur Spielvorbereitung?

Tahina über
„Soft Prep“ und „Hard Prep“

Gabe und ich werden häufig gefragt, wie, was und wieviel wir für unsere Spielrunden vorbereiten. Beim Vergleichen unserer Methoden fiel uns auf, dass wir dabei stark zwischen „Hard Prep“ und „Soft Prep“ unterscheiden.

Was ist damit gemeint?

Hard Prep:

Darunter versteht man all die Arbeit, die außerhalb des Spiels in eine Session investiert wird, um sicher zu stellen, dass alles Notwendige vorbereitet ist. Hard Prep bedeutet, das Beschäftigen mit der Gamemechanik, Regeln, dem Setting, dem Szenario und dem Gameplay.

Für Spielleitungen bedeutet dies z.B.: Vertraut machen mit Regeln (vor allem „Sonderregeln“ wie für Unterwasserkämpfe), den Werten der Figuren der Spielenden, sowie deren Klassenfähigkeiten, das Erstellen von Encountern, das Modifizieren von Statblocks, Erstellen/Verändern/Heraussuchen von magischen Gegenständen, das Anpassen des Verhaltens von NPCs, bzw. das Planen der Reaktion der Spielwelt auf die Taten der Spielgruppe usw.

Soft Prep:

Im Gegensatz zu Hard Prep beschäftigt sich Soft Prep mit allen helfenden und ergänzenden Vorbereitungen. Soft Prep ist was Fluff zu Crunch ist.

Für Spielleitungen bedeutet es z.B.: das Heraussuchen von passender Musik, oder das Erstellen von Playlists (auch zum Hören außerhalb der Sessions), das Heraussuchen/Erstellen von Portraits für wichtige NSCs und Bildern für Orte, das Herausarbeiten einer bestimmten Stimme für einen NSC, das Erstellen von Moodboards und/oder Pinterestboards für die Spielwelt, Orten darin, oder NSCs.

Das Beantworten der Frage: Warum? Warum sind die NSCs da, wo sie sind? Warum handeln sie wie sie es tun? Warum kreuzt ihr Weg den der SCs? Etc.

Das Gedankenmachen über die inhärente Logik der Welt und das Verhalten der Wesen darin gehört zur Soft Prep. Also alles was der Welt unabhängig von der „Story“, bzw. dem Szenario und den Charakteren der Spielenden Leben einhaucht.

Das Aufarbeiten und Zusammenfassen des Geschehens der letzten Session in einer Art Logbuch, einem Blog, in Audiosnippets etc. ist ebenfalls Soft Prep.

Beim Spielen am selben Tisch gehören auch die passende Beleuchtung, Dekoration, Duft durch Räucherwerk/Duftkerzen, oder das passende Essen/Trinken zur Soft Prep.

D.h. Soft Prep ist nicht zwingend nötig für eine Spielsession, genauso wie ein trockenes Stück Brot auch satt macht – aber mit dem passenden Aufstrich aufgewertet wird.

Der Übergang zwischen Soft Prep und Hard Prep ist dabei fließend. Eine Karte zu erstellen, gehört grundsätzlich erstmal zu Hard Prep. Wenn es über ein einfaches Abbilden der Räume auf weißem Grid-Papier hinausgeht, befinden wir uns schon bei Soft Prep. Denn die Karte mit allerlei dekorativen Kleinigkeiten zu verschönern, dient i.d.R. keiner Gamemechanik, sondern dem Beflügeln der Vorstellungskraft.

Meiner Erfahrung nach ist Hard Prep das solide Fundament, aber Soft Prep der Grund dafür, dass die Spielenden immer mehr wollen. Weil sich dadurch die NSCs lebendig und die beschriebene Welt bunt und „real“ anfühlt.

Und während zumindest bei mir Hard Prep häufig am Schreibtisch bzw. Computer stattfindet, ist Soft Prep ortsungebunden (dank Smartphones kann sie fast überall stattfinden) und kann quasi im Hintergrund mitlaufen. Denn für mich ist es keine VorbereitungsARBEIT, mir zumindest macht es Spaß auf Pinterest nach passenden Bilder Ausschau zu halten, oder wenn eine gute Idee für eine Beschreibung kommt, diese schnell aufzusprechen, oder einfach beim Kochen die Stimmen von NSCs auszuprobieren.

Wie sieht das dann praktisch aus? Bei Hard Prep halte ich mich an die Devise: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Ich bereite alles vor, was ich für die jeweilige Session zwingend brauche. Je besser ich ein Spielsystem kenne, desto weniger muss ich mich an dieser Stelle vorbereiten. Für D&D5e schaue ich mir für meine laufenden Runden die Charakterbögen an, um mich nach einem Stufenaufstieg mit den neuen Fähigkeiten vertraut zu machen und dafür zu sorgen, dass Szenarien auftreten, in denen diese gewinnbringend (sprich: sinnvoll) eingesetzt werden können. Ich erstelle mögliche Encounter/Kämpfe und suche passende Belohnungen und magische Gegenstände heraus.

Bei Soft Prep bereite ich immer gerade so viel vor, dass es mir leicht fällt alles andere drumherum zu improvisieren. Manchmal bedeutet das sehr viel Soft Prep, ein anderes Mal ist ein einziges Bild, oder ein Lied schon völlig ausreichend, um alles andere davon abzuleiten.

(Wobei ich gestehen muss, Soft Prep macht mir einfach Spaß, darum bin ich im „Leerlauf“ immer in Gedanken bei einer meiner Runden und low key dabei etwas vorzubereiten.)

Fazit: Wie viel muss eine Spielleitung vorbereiten? So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Und nur das, was es erlaubt alles andere aus dem Stegreif zu improvisieren. Die Quote wieviel Zeit jeweils in Soft Prep und Hard Prep investiert wird, hängt dabei von den eigenen Stärken und der Erfahrung/Geübtheit im Spielsystem ab.

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